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Gruppe junger Menschen im Assessment-Center Glasindustrie

Online-Lexikon Zukunft im Glas

Assessment-Center simulieren Aufgaben aus dem Berufsleben

Das müsst ihr zum Assessment Center wissen!

Die Selektion von Fachkräften ist eine der relevantesten Aufgaben im Personalwesen, denn der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von gut ausgebildeten Arbeitnehmern ab. Mit Hilfe der sogenannten Assessment-Center gelingt es Firmen Fehlbesetzungen zu vermeiden und motivierte Mitarbeiter nachhaltig zu fördern. Im Folgenden beantworten wir euch die Fragen, was ein Assessment-Center ist, wie es abläuft, welche Methoden unterschieden werden, wie ihr euch auf das bevorstehende Bewerbertraining optimal vorbereitet und welche Vor- und Nachteile Assessment-Center mit sich bringen.

Was ist ein Assessment-Center?

Der Begriff Assessment-Center leitet sich aus dem Englischen to assess = einschätzen und center = Mittelpunkt ab und gilt als Gruppenauswahlmethode im Zuge der Personaleinstellung. In einem klassischen Assessment-Center werden bis zu zwölf Teilnehmer von Experten mit psychologischem Know-how, sogenannten Assessoren und Assessorinnen, bewertet. Neben dem Gruppenkonzept etablierten sich in der Vergangenheit aber auch Einzel- und Online Assessment-Center. Im Rahmen des Personalverfahrens wählen Rekruiter den Kandidaten, der sich am geeignetsten für die Stelle erweist. Dabei simulieren die gestellten Aufgaben die Anforderungen, die euch zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich im Unternehmen erwarten. Außerdem werden damit eure Kerneigenschaften analysiert und somit überprüft, ob ihr als potenzieller Mitarbeiter zur Unternehmensphilosophie passt.

WIE LÄUFT EIN ASSESSMENT-CENTER AB?

Das Assessment-Center erstreckt sich über einen Zeitraum von ein bis maximal drei Tagen. Typischerweise ist der Zeitplan eng getaktet, denn es besteht aus Einzeltests und Gruppenübungen.

Während des gesamten Verfahrens sind Rekruiter anwesend, die euer Verhalten beobachten und detailliert auswerten. 

Einzeltests erfolgen üblicherweise getrennt von den anderen Teilnehmern, sodass kein Vergleich der Bewerber möglich ist, in den Gruppenübungen bekommt ihr allerdings Einblicke in das Verhalten der übrigen Kandidaten. Im Anschluss an das Assessment-Center tauschen die Personalexperten ihre Beobachtungen aus und teilen euch anschließend in Einzelgesprächen das Ergebnis mit.

WELCHE METHODEN DES ASSESSMENT-CENTERS WERDEN UNTERSCHIEDEN?

Generell existiert kein einheitlicher Ablaufplan eines Assessment-Centers, da das Konzept je nach Unternehmen und vor allem je nach Personalabteilung variiert. Trotzdem gibt es einige beliebte Aufgaben, die regelmäßig in den Bewerbertrainings gestellt werden. Bezüglich der Häufigkeit der gestellten Arbeitsaufträge gilt folgende Verteilung:

  • 95 Prozent: Gruppendiskussionen
  • 89 Prozent: (Selbst)Präsentationen
  • 87 Prozent: Interviews
  • 65 Prozent: Fallstudien
  • 53 Prozent: Postkorbübungen
  • 5 Prozent: weitere Tests
  • 3 Prozent: Rollenspiele

Die genaue Bedeutung der einzelnen Übungen erläutern wir euch im Folgenden.

1. Gruppendiskussionen
Im Rahmen einer Gruppendiskussion werdet ihr innerhalb der Gruppe mit einem Thema konfrontiert, das entweder in Bezug zum Unternehmen steht oder das aktuelle Tagesgeschehen aufgreift. In manchen Fällen werdet ihr auch dazu aufgefordert, einen eigenen Aspekt mit der Gruppe abzustimmen oder ihr bekommt eine vorgeschriebene Position, die ihr innerhalb der Diskussion einnehmen müsst. Wichtig ist, dass ihr überzeugend mit nachvollziehbaren Begründungen und Beispielen argumentiert, aber dabei trotzdem die Meinung der anderen Teilnehmer respektiert.

2. Selbstpräsentationen

Eingeläutet wird das Assessment-Center meist in Form einer kurzen Selbstpräsentation. Dabei fasst ihr in ungefähr drei bis zehn Minuten die wichtigsten Eckdaten über eure eigene Person zusammen. Da die anderen Kandidaten gleichzeitig eure Konkurrenten sind, solltet ihr euch bereits zu Beginn von ihnen abheben. Erwähnt zu Beginn euren vollständigen Namen, euer Alter sowie euren aktuellen Wohnort. Anschließend geht ihr auf die wichtigsten Stationen aus eurem Lebenslauf ein, das heißt ihr sprecht über eure Erkenntnisse und Erfahrungen von bisherigen Praktika und Jobs und warum ihr der ideale Mitarbeiter für das Unternehmen seid. Überlegt euch bestenfalls vorab eine prägnante Aussage, die nur auf euch persönlich zutrifft. Wichtig ist, dass ihr während der Vorstellung laut und deutlich sprecht, euch gewählt ausdrückt, aber ohne aufgesetzt und unnatürlich zu wirken.

3. Interviews
Wie im herkömmlichen Vorstellungsgespräch steht auch beim Assessment-Center eure Persönlichkeit im Vordergrund. Deshalb werden häufig folgende Fragen während eines Interviews gestellt:

  • Welche Stärken charakterisieren dich?
  • Welche Schwächen zeichnen dich aus?
  • Warum interessierst du dich für diese Stelle?
  • Warum möchtest du künftig in unserer Firma arbeiten?
  • Aus welchen Gründen sollten wir dich einstellen?
  • Welche fachlichen und persönlichen Qualifikationen bringst du für die ausgeschriebene Stelle mit?
  • Wie sieht der optimale Job für dich aus?
  • Wo siehst du dich in zehn Jahren?
  • Welchen Mehrwert bringst du dem Unternehmen?
  • Wie verbringst du deine Freizeit?
  • Was war dein größter Erfolg?
  • Was war dein größter Misserfolg?
  • Wie gehst du mit Rückschlägen um?
  • Welche Rolle nimmst du im Team ein?
  • Planst du dich künftig fortzubilden?
  • Welche Vorstellungen bezüglich des Gehalts hast du?
  • Bist du belastbar?
  • Wieso sind Lücken in deinem Lebenslauf?

Oftmals beziehen sich Personaler während des Interviews zusätzlich auf eure Verhaltensweisen während des Assessment-Centers und prüfen erneut eure Motivation sowie eure Stärken und Schwächen. Deshalb gilt als Erfolgsfaktor ein natürliches Auftreten.

4. Fallstudien
Bezüglich einer Fallstudie werdet ihr mit einer umfassenden Problemstellung herausgefordert. Dabei gilt es, die Problematik zu analysieren und anschließend Handlungsempfehlungen abzuleiten. Wichtig ist, dass ihr analytisch und lösungsorientiert vorgeht und nicht impulsiv entscheidet, denn die Firma testet euer logisches Denkvermögen sowie eure Konzentrationsfähigkeit.

5. Postkorbübungen
Eine weitere klassische Aufgabe innerhalb des Assessment-Centers ist die sogenannte Postkorbübung. Dabei werden euch verschiedene Aufgaben gestellt wie beispielsweise Aufträge zu priorisieren oder sogar zu delegieren. Die Schwierigkeit besteht darin, dass ihr bewusst unter Zeitdruck gesetzt werdet und Störer, wie permanente Anrufe oder angriffslustige Gesprächsteilnehmer, eingebaut werden, um zu beobachten, wie gewissenhaft ihr unter kontinuierlichem Stress und Druck eure Aufgaben erledigt.

6. Rollenspiele

Bei den Rollenspielen debattiert ihr weniger in der Gruppe, sondern kommuniziert vielmehr mit einem der Assessoren. Dabei wird in der Regel die Situation eines Arbeitnehmergesprächs oder sogar eines Beschwerdegesprächs simuliert. Auch dabei versuchen die Experten euer Verhalten in Druck- und Stresssituationen zu beobachten. Deshalb ist es essenziell, dass ihr Ruhe bewahrt und Feingefühl beweist.

Zuhause kannst du vor dem Spiegel üben. Das gibt die Sicherheit, wenn du dich im Assessment-Center präsentieren musst.

WIE BEREITET IHR EUCH OPTIMAL AUF EIN ASSESSMENT-CENTER VOR?

Einige gängige Aufgaben eines Assessment-Centers könnt ihr bereits zu Hause vorbereiten. Dazu zählt beispielsweise die Selbstpräsentation: Stellt euch vor einen Spiegel und sprecht frei über eure bisherigen Berufserfahrungen. Auch Gruppendiskussionen zu aktuellen Tagesereignissen bieten sich an, geprobt zu werden, indem ihr mit eurer Familie oder engen Freunden frei und argumentativ debattiert. Darüber hinaus kann es hilfreich sein, vorab bereits Antworten bezüglich der oben aufgelisteten Fragen vorzubereiten, denn in jedem Interview werden in der Regel einige davon gestellt. Vergleichsweise schwieriger ist hingegen die Vorbereitung auf Rollenspiele.

WELCHE VORTEILE BRINGT EIN ASSESSMENT-CENTER MIT?

  • Gewinnen eines ersten Eindrucks der späteren Arbeitstätigkeit
  • Simulation des Arbeitsalltags
  • Vergleichbarkeit der einzelnen Teilnehmer
  • Umfangreiches Prüfen der Qualifikationen und Fähigkeiten in relativ kurzer Zeit
  • Objektive Beurteilungen im Rahmen eines vorab festgelegten Anforderungskatalogs
  • Feedbackgespräch für jeden Bewerber

WELCHE NACHTEILE WEISEN ASSESSMENT-CENTER AUS?

  • Kostenintensives und aufwendiges Verfahren
  • Wenig Spontanität
  • Keine Erholungsphasen für die Kandidaten
  • Bewerber können ihr Verhalten steuern und somit ihre Persönlichkeit verstecken
  • Teilweise stimmen die Übungen nicht mit der tatsächlichen Arbeitstätigkeit überein

FAZIT

Das Assessment-Center zählt heutzutage zu den beliebtesten und bekanntesten Verfahren im Rahmen der Personalauswahl. Typische Aufgaben sind dabei Gruppendiskussionen, Selbstpräsentationen, Interviews, Fallstudien, Postkorbübungen, Tests und Rollenspiele. Trotz der zahlreichen Vorteile wie der Simulation des Arbeitsalltags oder das intensive Feedbackgespräch am Ende des Bewerbertrainings, birgt das Assessment-Center dennoch einige Nachteile, da es sich um ein unflexibles, zeitintensives Verfahren handelt und die Übungen teilweise nicht die Realität der Arbeitstätigkeit widerspiegeln. Allerdings unterstützen gut ausgebildete Assessoren sowie abwechslungsreiche Aufgaben die Qualität des Assessment-Centers, wodurch Risiken bezüglich Fehlbesetzungen minimiert werden. Als Kandidaten eines Bewerbertrainings ist euch zu raten, euch offen, überzeugend und natürlich zu präsentieren. Bereitet euch auf die Aufgaben vor und bewahrt in Überraschungssituationen einen kühlen Kopf.

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